19. Oktober 2026 · Kemal · 1 min
Die Stunde um 06:45
Wer um Viertel vor sieben kommt, muss danach meistens irgendwohin. Wir bauen die Stunde so, dass das klappt.
Ich fahre selbst Schicht, deshalb unterrichte ich die frühen Stunden. Wer um Viertel vor sieben die Treppe hochkommt, hat meistens eine Jacke über dem Arm und einen Plan für danach: Schicht, Büro, Kinder zur Schule.
Darum hat die Stunde feste Ränder. Wir fangen pünktlich an und hören pünktlich auf, um 07:45 bist du draußen. Kein langes Ankommen, kein Gespräch am Ende, das man aus Höflichkeit abwarten muss.
Die ersten zehn Minuten sind langsam. Ein Körper, der vor einer halben Stunde noch geschlafen hat, braucht keine Herausforderung, er braucht Wärme. Danach wird es fließend, und die letzten fünf Minuten liegen alle still.
Duschen gibt es, Handtücher auch. Wer direkt zur Arbeit muss, lässt die Tasche im Regal am Eingang. Und wer verschläft: Absagen geht bis zwei Stunden vorher, für diese Stunde also am Vorabend.
Ich verspreche nicht, dass du danach ein anderer Mensch bist. Aber der Tag fängt mit einer Stunde an, die dir gehört hat.
Blau ist ein Konzept. Studio, Menschen und Texte sind erfunden.
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